Letztens auf dem Linken-Parteitag erklärte eine Jung-Linke ihrem Alter entsprechend idealistisch revolutionär, leicht wirr und sich immer mehr in Rage bringend: "Die Zeit der Debatten ist vorbei. Jetzt müssen Taten folgen. Man muss in Aktion treten." gefolgt von diversen Aufrufen zu Generalstreiks und Besetzungen von Autobahnkreuzen. War irgendwie drollig, aber recht hat sie. Action ist angesagt. Dig.Zone 112. Da wird nix besetzt, das ist mehr RAF-Style. Burning down the house. Und selbstverständlich darf geschossen werden. Oder wie John "Was Sie die Hölle nennen, nennt er sein Zuhause" Rambo. Armageddon, Gitarren wie Maschinengewehrfeuer, Drums wie Bombenteppiche, "dagegen ist Kambodscha ja das reinste Kansas". Und auch: Flammendes Inferno, Umsturz, Gewalt, Sex, Satan, Max Frisch, Troma statt Arthouse, Explosionen und das alles echt Low-Budget aber fast so dick aufgetragen wie dieser Text hier und auch noch..., oder... äh... Na ja, Rock'n'Roll eben.
"The story of “Salvation is a Deep Dark Well” is that there’s joy and celebration through the darkness, there’s light in the hardest of times, and when you reach the bottom may salvation light your way."
(so steht's auf http://thebuildersandthebutchers.com geschrieben)
ganz sicher kein schnellschuss das ganze. schon seit geraumer zeit ist diese platte ein fester bestandteil meiner wöchentlichen musikrituale. sie ist dabei nicht nur ein grimmiger freund, der mich vor, während und nach jeglichen festivitäten begleitet, nein, sie bestimmt die richtung. so ist es nicht dem zufall geschuldet, dass the builders and the butchers auf beiden meiner letzten hier präsentierten musikzusammenstellungen vertreten sind.
und dabei weiß ich so gut wie nichts über sie. zu fünft sind se, geboren in alaska, nun wohl in portland lebend und drei lps sowie eine split-ep alt. "salvation is a deep dark well" (produziert von decemberist chris funk) ist letztes jahr zwischen ihrem debut und der diesjährigen live-lp erschienen und ob unkenntnis der anderen veröffentlichungen mein alleiniger berührungspunkt. aber nun ja, der stachel sitzt tief. in einer zeit, in der ich mich intensiver mit dem werk von 16 horsepower auseinander gesetzt hatte, konnte mir auch kaum besseres widerfahren als diese platte. musikalisch eine recht ähnliche kerbe, amerikas dunkle country/folk-seite. hobo ich hör dir samt deiner mandolinen und banjos trappsen. vielleicht sogar - im gegensatz zu 16 horsepower - einem guten ende entgegen ....
video: golden and green
ps: das vinyl kommt dick aufgetragen in schönstem bilderdesign samt downloadcode daher. kaufen oder hölle!
Noch eine Empfehlung des Hauses. Diesmal für eher deftige Geschmäcker:
Gebratztes Allerlei leicht angeballert
Es handelt sich hierbei um eine Variante des zuvor vorgestellten Gerichtes: Wichtig ist es hierbei, die Beats ausreichend zu zersägen. Fügen Sie desweiteren eine Prise Aggression sowie grob gemahlenes Aufdiefresse hinzu, "Parental Advisery: Explicit Lyrics"-Button drauf, mit Schweiss, Blut und Bier auffüllen. Fertig.
Jetzt neu! Akustische Kulinarik mit der Interzone.
Für Feinschmecker:
Kompakte Beats mit französischer Note, angereichert mit Labskaus und Berliner Weisse
Die Zutaten für dieses Gericht finden Sie in jedem auf Elektroartikel spezialisierten Musik-Supermarkt. Die Zubereitung ist denkbar einfach: Alles zusammenrühren, bis nur noch Schaum im Kopf ist. Das Resultat ist eine genussvoll treibende, flüssig durchlaufende Wummerei, im Abgang noch mal leicht abgefuckt, wovon man sich aber nicht abschrecken lassen sollte.
Für den Genuss dieses Gerichtes sollte man sich Zeit nehmen. Es ist ein 2-Stunden-Set.
das letzte, für die ohnehin tollen health! gedrehte video von 'we are water' hat mich aufmerksam gemacht auf diesen mann. einfach grandios diese demaskierende erlösergeschichte voller blut und tränen:
health! - we are water:
so dunkel, so betörend das ganze. vielleicht eine wendepunkt in seinem bisherigen werk. oder eine neue stufe der körperlichen befriedigung. die pose nach der pose nach der stellung, die den kick zu wünschen übrig ließ:
major lazer - pon de floor:
flying lotus – dancefloor dale:
(obacht: es wird bunter als es das vorschaubild erahnen lässt!)
der anfang lässt schwere kost vermuten. nicht unähnlich meiner letzten zusammenstellung beginnt auch diese mit einem instrumental, welches tür und tor für jedwede schreckensszenarien dantescher güte zu öffnen scheint. und tatsächlich "snakes eating their own tails". da ist es wieder, das unbestimmte gefühl, das knirschende karge etwas in uns, der nagende verdacht, die emotionale wüste.
aber ich beginne dazu zu lernen. herr autoditacker hat's vorgemacht und ich ahme es nun nach. in einem augenblick, in dem es eh nichts mehr zu verlieren gibt, nehme ich allen verbliebenen mut zusammen, stülpe mir den insektenschutz über den kopf und werfe mich in den popdschungel. feucht ist es da. allerlei herumstreunendes getier streckt mir seine bunt gescheckte zunge entgegen. ist das die wirklichkeit oder doch nur eine fata morgana? buähhh, ecklig. also raus mit der machete. fight the demons, selbst ist der mensch!